Mundschutz mehrmals benutzen

FFP2-Masken zuhause desinfizieren und wiederverwenden: Auch Lauterbach empfiehlt folgende Prozedur

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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FFP2-Masken sind Einwegprodukte, die man nach Gebrauch wegwerfen sollte. Jedoch gibt es eine Möglichkeit, sie mehrmals zu verwenden.

  • Eine handelsübliche FFP2-Maske* kostet in der Apotheke mehr als vier Euro. Dieser stolze Preis lässt bei vielen die Frage aufkommen: Muss ich sie tatsächlich nach einmaligem Tragen wegwerfen oder gibt es eine Möglichkeit, sie weiter zu verwenden?
  • FFP-Masken sollten immer so angewandt werden, wie es der Hersteller vorgibt. Allerdings können Sie die Lebensdauer der partikelfiltrierenden Halbmasken, wie FFP2- und FFP3-Masken auch genannt werden, verlängern.
  • Der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene zufolge, sollte dazu in Kliniken das strengste und qualitativ sicherste Verfahren zur Sterilisation von FFP-Masken genutzt werden: die Dampfsterilisation. Im Krankenhaus gibt es dazu extra Gerätschaften, doch mit folgendem Tipp können Sie Ihre FFP2-Masken auch einfach zuhause sterilisieren und so wieder verwenden.

Normale Alltagsmasken aus Stoff können einfach in der Waschmaschine gewaschen und danach wieder und wieder verwendet werden. OP- oder FFP2-Masken dagegen sind vom Hersteller als Einwegprodukte vorgesehen. Umweltschutzgründe und auch die Kostenfrage sind es, die viele Menschen daran hindern, die Maske sofort nach Gebrauch zu entsorgen. Wissenschaftler der University of Illinois haben sich jetzt mit der Frage beschäftigt, wie man N95-Atemschutzmasken (gleiche Filterleistung und Materialeigenschaften wie FFP2-Masken) zuhause desinfizieren könnte, ohne dass sie an Wirkung verlieren.

Den Forschern zufolge kann man mithilfe eines einfachen Küchengeräts die Masken derart gut sterilisieren, dass man sie ohne Bedenken mehrmals tragen kann. Für ihre Studie hatten sie Mund-Nasen-Bedeckungen vom Typ N95 in einen elektrischen Reiskocher gegeben. 50 Minuten trockene Hitze im Reis- oder Multikocher hatte ausgereicht, um die N95-Atemschutzmasken von innen und außen zu dekontaminieren, ohne dass die Filterleistung oder Passform gelitten hätte. Die Prozedur macht es den Studienleitern zufolge möglich, die getesteten Atemschutzmasken sicher wiederzuverwenden. Allerdings dürfen die Masken das Heizelement aufgrund von Schmelzgefahr nicht direkt berühren, wie das Portal sciencedaily informiert. Der Studie zufolge könne dies verhindert werden, indem man auf den Boden des Kochers ein kleines Handtuch legt.

FFP2- oder N95-Maske: Schutzklassen-Bezeichnungen für partikelfiltrierende Halbmasken 

FFP2 steht für „Filtering Face Piece“ und erfüllt die deutsche Norm DIN EN 149:2009-08.
N95-Masken werden nach dem US-amerikanischen Standard 42 CFR Part 84 des National Institute for Occupational Safety and Health zugelassen.

Lesen Sie auch: FFP2-Masken zum Schutz vor Corona-Viren: Darauf müssen Sie beim Kauf achten*.

FFP2-Masken reinigen: Hitze desinfiziert Material – elektrische Reiskocher sollen geeignet sein

Für eine ausreichende Sterilisation der Masken war es den Forschern zufolge nötig, sie bei 100 Grad Celsius mindestens 50 Minuten lang in den Reiskocher zu legen, um sie von Coronaviren zu befreien. Ganz wichtig: Im Kocher darf kein Wasser sein, die Masken werden bei trockener Hitze steril. Diese Methode sei sogar noch effektiver als die Sterilisation mithilfe von ultraviolettem Licht. „Die Atemschutzmasken behielten ihre Filtrationskapazität von mehr als 95 Prozent bei und saßen auch nach 20 Dekontaminationszyklen im Elektrokocher immer noch richtig auf dem Gesicht des Trägers“, zitiert sciencedaily die Studienleiter. Web.de zufolge können in einem Durchlauf mehrere Masken desinfiziert werden, indem sie übereinander gestapelt in den Kocher gelegt werden.

SPD-Politiker und Arzt Karl Lauterbach hatte bereits im Sommer letzten Jahres auf seinem Twitter-Kanal auf diese Möglichkeit der Masken-Desinfektion hingewiesen:

FFP2-Masken im Reiskocher desinfizieren: „Trockenbetrieb ist ziemlich sicher außerhalb der Designparameter“

Die Technische Universität Freiberg hat die Studie der US-Forscher näher analysiert. In einem Blogbeitrag heißt es, dass der Studie zufolge zwar getestet wurde, ob die N95-Masken die Prozedur im Reiskocher mehrmals ohne Beeinträchtigung überstehen. Allerdings gibt die TU Freiberg zu bedenken, dass Reiskocher nicht dafür vorgesehen sind, ohne Wasser angewandt zu werden. „Übrigens kann man sich nicht ganz sicher sein, ob der Reiskocher die Prozedur (ohne Wasser!) öfters übersteht – ein Trockenbetrieb ist ziemlich sicher außerhalb der Designparameter“, heißt es vonseiten der Technischen Universität.

Auch die Fachhochschule Münster hat sich mit der Frage befasst, wie sinnvoll das Sterilisieren von FFP2-Masken mit Hilfe von Haushaltsgeräten wie Reiskochern ist. Die Studienlage zu solchen Verfahren sei begrenzt, heißt es auf der Website der FH. Die Studienautoren Li, Redmond, Jones und Donskey hätten in einem Versuch gezeigt, dass im Vergleich zu trockener Hitze (100 Grad Celsius für 15 Minuten), feuchte Hitze aus dem Reiskocher (fünf bis acht Minuten Aufheizphase, dann fünf Minuten im Dampf) eine deutlich bessere Keimreduktion auf der Vorder- und Rückseite der Masken bewirkt. Der Haken an der Studie: Die inneren Schichten der Maske wurden nicht auf Keime geprüft und auch die Filtrationsleistung vor und nach der Desinfektion wurde nicht gemessen.

Auch eine Studie aus Taiwan ist der FH Münster zufolge wenig aussagekräftig. So hatten taiwanesische Forscher N95-Masken im Reiskocher trockener Hitze von bis zu 164 Grad Celsius ausgesetzt, rund drei Minuten lang. Die Filterleistung war annähernd gleich geblieben nach der Prozedur, jedoch hatten die Forscher die Masken vor der Desinfektion in Stücke geschnitten und sie nicht mit Viren versehen.

Mehr zum Thema: FFP2-Masken: Kommt jetzt der Preis-Schock? Darauf ist beim Kauf online oder in der Apotheke zu achten.*

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FFP2-Masken büßen nach Desinfektion nicht an Leistung ein

Auch eine deutsche Studie des NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen hat ergeben: Nach mehreren Sterilisationsprogrammen verändert sich die Materialstruktur von FFP2- und FFP3-Schutzmasken nicht signifikant. Um eine möglichst realitätsnahe Anwendung zu simulieren, wurden die Masken am Uniklinikum Tübingen bis zu fünfmal hintereinander für 15 Minuten auf 121 Grad Celsius erhitzt. Die anschließende Untersuchung des in den Masken verwendeten Vlies unter dem Rasterelektronenmikroskop zeigte, dass sich FFP-Masken nach der Desinfektion wiederverwenden lassen, ohne an Filterleistung einzubüßen, wie das medizinische Fachportal dzw meldete. (jg) *Merkur.de, wa.de und 24vita.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Mehr Quellen: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html; https://www.krankenhaushygiene.de/pdfdata/presse/2020_05_01_spiegel_interview_walger.pdf; https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/112501/Sterilisierung-von-FFP2-Schutzmasken-erfordert-hohe-Temperaturen

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Weiterlesen: Effektiver Corona-Schutz: Sollten wir alle zwei Masken übereinander tragen?

Alltagsmasken und die Materialfrage

Wer sich eine Maske nähen will, muss sich zwischen einer Vielzahl von Stoffen entscheiden. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn
Wer sich eine Maske nähen will, muss sich zwischen einer Vielzahl von Stoffen entscheiden. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn © Mascha Brichta
Die Maske des Bekleidungsherstellers Maloja ist auf der Außenseite mit einer Behandlung auf Basis von natürlichen Silbersalzen überzogen - diese soll das Wachstum von Viren reduzieren. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Die Maske des Bekleidungsherstellers Maloja ist auf der Außenseite mit einer Behandlung auf Basis von natürlichen Silbersalzen überzogen - diese soll das Wachstum von Viren reduzieren. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn © Zacharie Scheurer
Partikelfiltrierende Masken (FFP) müssen bestimmte Normen erfüllen. Foto: Friso Gentsch/dpa/dpa-tmn
Partikelfiltrierende Masken (FFP) müssen bestimmte Normen erfüllen. Foto: Friso Gentsch/dpa/dpa-tmn © Friso Gentsch
In medizinischen Mund-Nasen-Schutzmasken sind Vliese verarbeitet, die aufgrund ihrer Faserstruktur besonders gut filtern. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
In medizinischen Mund-Nasen-Schutzmasken sind Vliese verarbeitet, die aufgrund ihrer Faserstruktur besonders gut filtern. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn © Zacharie Scheurer
Zur Eindämmung der Corona-Pandemie gilt an vielen Orten eine Maskenpflicht. Foto: Christoph Soeder/dpa/dpa-tmn
Zur Eindämmung der Corona-Pandemie gilt an vielen Orten eine Maskenpflicht. Foto: Christoph Soeder/dpa/dpa-tmn © Christoph Soeder
Manche nutzen Alltagsmasken auch als modisches Accessoire - an entsprechenden Angeboten mangelt es nicht. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn
Manche nutzen Alltagsmasken auch als modisches Accessoire - an entsprechenden Angeboten mangelt es nicht. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn © Kirsten Neumann

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