Indeed-Studie

Angst vor Karrierestillstand: Mehr als 40 Prozent der Akademiker betroffen

Eine junge Frau sitzt zuhause am Laptop und telefoniert.
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Dank Homeoffice sind Akademiker auf Jobsuche flexibler hinsichtlich des Standorts ihres zukünftigen Arbeitgebers — dennoch fürchten sich über 40 Prozent vor einem Karrierestillstand, das ergab eine Studie des Job-Portals Indeed. (Symbolbild)

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt und die Jobsuche aus? Zu dieser Frage führte ein Job-Portal eine Studie durch. Die Ergebnisse erfahren Sie hier.

Pauschal lässt sich diese Frage kaum beantworten. Das liegt zum einen an der unterschiedlichen Betroffenheit der einzelnen Wirtschaftsbereiche. Zum anderen scheint es auch vom Ausbildungsniveau* der Berufstätigen abzuhängen. So machen sich AkademikerInnen vor allem Gedanken um ihre Karriere, während gelernte und ungelernte Fachkräfte stärker von finanziellen Sorgen getrieben sind. Das ergab eine Befragung von über 12.000 Berufstätigen und Jobsuchenden durch Indeed. Die Studie wurde gemeinsam mit HR-ExpertInnen von dm, OTTO, ThyssenKrupp, Fresenius und KORIAN entwickelt.

Nicht alle trifft die Corona-Krise gleichermaßen: Auf die Frage nach den größten Bedenken zu ihrer Arbeitssituation während der Corona-Krise nannten AkademikerInnen an erster Stelle die Angst vor einer stagnierenden Karriere (41,7 Prozent). Bei Berufstätigen und Jobsuchenden mit anderen Abschlüssen dominieren hingegen eher Ängste vor finanziellen Einbußen (34,5 Prozent). Bei beiden Gruppen folgt die Sorge um die eigene psychische Gesundheit, die allerdings bei WissensarbeiterInnen mit Hochschulabschluss noch etwas ausgeprägter ist (37,6 Prozent vs. 33,8 Prozent). Jede fünfte (21,9 Prozent) gelernte oder ungelernte Fachkraft hat Angst vor einem Jobverlust; diese Befürchtung ist bei Menschen mit Hochschulabschluss etwas geringer (17,5 Prozent).

Indeed Studie: Geringere Loyalität, höhere Wechselbereitschaft

Die Arbeitgeberbindung ist während der Pandemie bei vielen Beschäftigten gesunken – jedoch stärker bei AkademikerInnen als bei Fachkräften (35,0 Prozent vs. 28,6 Prozent). Zudem liebäugelt fast die Hälfte der befragten Angestellten mit Hochschulabschluss mit einem neuen Job: 49,9 Prozent berichten von einer leicht oder stark gestiegenen Wechselbereitschaft. Hauptgrund ist hierfür, dass sich ihr Arbeitgeber während der Krise nicht zufriedenstellend verhalten hat (38,8 Prozent). Neben mangelnder Kommunikation seitens des Arbeitgebers sind hier auch fehlende Schutzmaßnahmen die Ursache, etwa die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. 

Grundsätzlich fällt die Wechselbereitschaft bei Fachkräften noch höher aus (54,5 Prozent, im Durchschnitt 51,6 Prozent). Im Allgemeinen scheinen AkademikerInnen etwas mehr auf Sicherheit bedacht als andere Berufstätige. Unter denjenigen mit Hochschulabschluss, deren Wechselambitionen gesunken sind, geben 69,6 Prozent an, dass sie ihren sicheren Arbeitsplatz nicht riskieren möchten. Bei den Fachkräften sind es zur selben Fragestellung nur 59,4 Prozent. 

„Die Pandemie ist ein richtiger Stresstest für die Beziehung zwischen Arbeitgebenden und -nehmenden. Die offensichtlich gesunkene Loyalität der hochqualifizierten Talente in Kombination mit der Angst vor einem Karrierestillstand bieten daher eine Chance für den Wettbewerb, begehrte Talente anzuwerben. Gleichzeitig haben Hochqualifizierte auch viel zu verlieren. Sie sind meist in guten Positionen mit guten Gehältern. Daher müssen potentielle neue Arbeitgebende auch stichhaltige Argumente vorlegen, um sie von einem Wechsel zu überzeugen. Dazu zählt auch ein sichtbares und angemessenes Corona-Krisenmanagement”, so Tim Verhoeven, Co-Autor der Studie und Recruiting-Experte bei Indeed. 

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AkademikerInnen möchten mehr Eigenverantwortung und interessante Aufgaben

Das Sicherheitsdenken zeigt sich auch bei den Prioritäten für die Jobsuche. Mit großem Abstand steht dieser Aspekt an erster Stelle. Drei von vier Fachkräften (75,8 Prozent) achten verstärkt bei der Jobsuche darauf. Bei denjenigen mit Hochschulabschluss sind es immerhin noch mehr als die Hälfte (56,8 Prozent). Die Krise scheint die Attraktivität von Arbeitgebenden ohnehin neu zu definieren: Statusthemen wie Prestige und Unternehmensgröße können nur einen Bruchteil der AkademikerInnen begeistern (7,4 Prozent). Das Unternehmensimage ist immerhin noch einem Viertel der Befragten wichtig (25,3 Prozent). Insbesondere AkademikerInnen wünschen sich ein Unternehmen mit Innovationskraft (33,7 Prozent) und wollen in einem internationalen Umfeld (20,8 Prozent) arbeiten. 

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Was erwarten Jobsuchende vor allem von einer neuen Tätigkeit? Diese sollte in erster Linie interessante Arbeitsaufgaben mit sich bringen. Das geben 70,7 Prozent der Befragten an. AkademikerInnen wünschen sich zudem mehr Eigenverantwortung als Fachkräfte (42,8 Prozent vs. 32,9 Prozent). Die Studie zeigt auch: Eine Mehrheit von 56,8 Prozent der Jobsuchenden aus dem akademischen Bereich wünscht sich eine generelle Homeoffice-Regelung im neuen Job – eine klare Aufforderung an Arbeitgebende, sich schon in den Stellenanzeigen konkret zu Homeoffice zu positionieren. Eine gute Nachricht für Unternehmen: Dank Homeoffice sind AkademikerInnen auf Jobsuche flexibler hinsichtlich des Standorts ihres zukünftigen Arbeitgebers. Wenn regelmäßig Homeoffice möglich wäre, würde ein knappes Drittel (31,0 Prozent) zwischen 51 und 100 km pendeln – und 17,3 Prozent sogar über 300 km. Die deutliche Mehrheit der Fachkräfte (56,7 Prozent) hingegen strebt selbst bei einer Homeoffice-Regelung nach einer Anstellung in einem Umkreis von 50 Kilometern. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Fabian Prudencia De Almeida ist geschäftsführender Gesellschafter bei Dahmen Personalservice GmbH. Foto: Maik Christian
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Quelle: Pressemitteilung Indeed

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