Neue tz-Rotlichtserie

Hinter den Kulissen in einem Münchner Laufhaus

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Auf den Fluren bieten die Damen ihre Dienste an. 150 Euro zahlen sie pro Tag für ein Zimmer.
  • Andreas Thieme
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München - 180 Bordelle und Sex-Wohnungen gibt es in München. Das Gewerbe boomt - doch es gibt auch Probleme. Die tz blickt hinter die Kulissen und hat zunächst ein Laufhaus besucht.

180 Bordelle und Sex-Wohnungen, neun Straßenstriche, 2800 Huren und die höchsten Preise der Republik: Das Münchner Sex-Gewerbe boomt. Da bleiben Probleme nicht aus: Menschenhandel, Ausbeutung und Prostitution im Sperrbezirk sind nur einige davon. Die Große Koalition plant eine Gesetzesreform und will Freier von Zwangsprostituierten bestrafen. Aber wie läuft das Geschäft mit der Lust wirklich? In einer tz-Serie knipsen wir im Rotlicht-Milieu der Landeshauptstadt das Licht an. Wir sprechen mit Prostituierten, Puff-Betreibern, Freiern, Polizei und Hilfsorganisationen.

Andreas Thieme, Beate Winterer

Lässig lehnt Nicki am Türrahmen, ihre roten Fingernägel umspielen den schmalen Stringtanga. „Komm doch rein, Süßer“, sagt sie, streckt den Busen raus und lächelt verschmitzt. Vor ihr steht Jochen, ein Geschäftsmann, und lugt über den Flur im dritten Stock. Rote Glühbirnen dimmen das Licht, am Fußboden glänzt das schicke Parkett. „Lass uns Spaß h

Auf drei Etagen stehen bis zu 35 Frauen im Laufhaus Caesar’s World am Stahlgruberring

aben“, sagt Nicki und zwinkert. Hinter ihr räkeln sich junge Frauen mit kurzen Kleidern oder halterlosen Strümpfen auf Barhockern. Von den Wänden lächeln Zeichnungen von gespreizten Beinen. „Gefällst mir“, sagt Jochen. Er zieht den Mantel aus, Nicki nimmt seine Hand und schließt die Tür. Es ist kurz nach 22 Uhr – Hochbetrieb im Caesar’s World, Münchens größtem Laufhaus!

Draußen auf der Straße reihen sich Autos im Schatten der roten Leuchtreklame, nur wenige Parkplätze sind frei. Hier, im Stahlgruberring, tummeln sich Männer auf der Suche nach Spaß und Befriedigung – jeden Abend, jeden Tag. Sie kommen, um einzutauchen in eine andere Welt – die Welt der käuflichen Liebe. Ein gepflasterter Weg führt sie zum Eingang des 2400 Quadratmeter großen Bordells mit drei Stockwerken, rechts geht’s zur Bar, darüber liegen die Flure, in denen bis zu 35 Damen am Tag auf Gäste warten. 150 Euro zahlen sie an Betreiber Olaf P. (50), wenn sie ein Zimmer mieten möchten. „Alle Frauen arbeiten hier selbstständig“ – das ist ihm wichtig. „Sie arbeiten nicht für uns, sondern bei uns. Sie zahlen, holen sich einen Schlüssel ab und können in dem Zimmer auch übernachten. Außerdem gibt es Bäder, Solarium, ein Kosmetikstudio und eine Küche“, sagt Olaf. „Das ist eine legitime Geschichte. Hier wird niemand ausgebeutet.“

Was die Frauen im Zimmer machen, ist ihre Sache. „Ich kriege nicht mit, was sie einnehmen – die Preise verhandeln sie selbst“, sagt der Geschäftsführer. „Ich weiß auch nicht, wie lange ein Gast im Zimmer ist.“ Nur zwei Regeln darf niemand im Haus brechen: „Bei uns gibt’s Sex nur mit Kondom. Drogen sind verboten.“

Sonst gibt’s (natürlich) keine Tabus. „Zu uns kommen auch Paare, die Mädels für einen Dreier buchen. Auch Gruppensex ist möglich. Ihre Wünsche müssen Gäste mit den Mädels besprechen. Sie entscheiden selbst, was sie anbieten und was nicht.“

Morgens gegen 9.30 Uhr gehen die Lichter an im Caesar’s World – und oft erst am nächsten Morgen wieder aus. „Wir schließen, wenn der letzte Gast geht“, sagt Olaf. „Die meisten kommen abends nach der Arbeit – aber auch mittags ist viel los.“ Seit 27 Jahren arbeitet er als Bordell-Betreiber. „Als ich anfing, gab es vier oder fünf Bordelle.“ Heute sind es 180. Viele Clubs kommen und gehen. „Uns gibt es seit 2003. Wir haben viele Stammkunden, sie wissen um die Qualität des Hauses.“ So wie Jochen. Seine Wangen glühen, als er aus Nickis Zimmer tritt. Er lächelt und steigt die Treppe hinab. „Schönen Abend noch.“

Hier hängt der Zutritt zum Glück

Flo ist einer von fünf Mitarbeitern im Caesar’s World.

Schlüssel ausgeben, Essen vorbereiten, die Sauberkeit im Haus überprüfen – Laufhaus-Chef Olaf P. (50) arbeitet wie ein Manager. „Von neun Uhr bis nachts – jeden Tag. Urlaub mache ich fast nie, wir haben immer offen“, sagt er. „Ich kümmere mich um alles und trage die Verantwortung, dass der Laden läuft. Im ganzen Betrieb arbeiten fünf Angestellte, drei im Laufhaus und zwei in der Bar.“ 27 Jahre ist Olaf im Job. „Ich bin Geschäftsmann und in das Milieu hineingewachsen“, sagt er. Seine Maxime: „Keine Drogen und kein Alkohol. Geraucht habe ich bis vor sieben Jahren – aber für die nächsten zehn im Voraus.“

Bluvista Girl - Claudia

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