tz-Rotlichtserie

So heiß geht's im Sauna-Club zu

+
Champagner und viel nackte Haut: Crystal posiert am Dessous-Tag vor dem Whirlpool, der mitten im Sauna-Club steht. Eine andere Prostituierte wartet an der Bar auf Kundschaft (kl. Foto).

München - Im Zuge unserer Rotlichtserie stellen wir Ihnen heute einen Sauna-Club im Münchner Westen vor. Und Betreiber Georg Vlachos erzählt, wie er vom Profi-Boxer zum Bordell-Chef geworden ist.

180 Bordelle und Sex-Wohnungen, neun Straßenstriche, 2800 Huren und die höchsten Preise der Republik: Das Münchner Sex-Gewerbe boomt. Da bleiben Probleme nicht aus: Menschenhandel, Ausbeutung und Prostitution im Sperrbezirk sind nur einige davon. Die Große Koalition plant eine Gesetzesreform und will Freier von Zwangsprostituierten bestrafen. Aber wie läuft das Geschäft mit der Lust wirklich? In einer tz-Serie in sieben Teilen knipsen wir im Rotlichtmilieu der Landeshauptstadt das Licht an. Wir sprechen mit Prostituierten, Puffbetreibern, Freiern, Polizisten und Hilfsorganisationen. Heute zeigen wir, wie es im Sauna-Club zugeht. Und Betreiber Georg Vlachos erzählt, wie er vom Profi-Boxer zum Bordell-Chef geworden ist.

"Gäste suchen Entspannung vom Alltag"

Den

Eine nackte Frau weist den Weg in den Sauna-Club.

Eingang markiert die berühmte rote Laterne. Daneben prangt das riesige Gemälde einer Frau, die nichts außer hohen Schuhen trägt, und die Leuchtschrift „Sudfass Oase“. Wer ins Reich von Georg Vlachos will, muss klingeln. Erst dann lässt sich die schwere, weiße Tür zu einem der ältesten Sauna-Clubs Münchens öffnen. Hinter dem Empfangstresen erscheint der Chef persönlich. „Meine Gäste suchen Entspannung vom Alltag“, sagt Vlachos und verschwindet im größten Raum des Pasinger Bordells.

Auf dem nachtblauen Teppich funkeln Sterne. Ein Porno flimmert über einen Fernseher. Aus den Lautsprechern tönt der Neunziger-Hit The One And Only. Vier junge Frauen sitzen an der Bar. Sie tragen kaum mehr als ein paar schmale Stoffstreifen am Körper. „Normalerweise sind sie nackt. Aber heute ist Mittwoch: Dessous-Tag“, erklärt Vlachos. Der 54-Jährige schwört auf Motto-Partys. Sonntags und montags ist durchgehend Happy Hour. Dann kostet der Eintritt für die Herren 30 statt 60 Euro.

Jeden Dienstag schenkt der Club Freibier aus. An allen übrigen Tagen sind im Eintrittspreis nur alkoholfreie Getränke, Obst und belegte Semmeln enthalten – und natürlich die Nutzung von Sauna, Whirlpool und Solarium.

Dort

Eines der Zimmer im Sudfass schmücken Herzen

hält sich an diesem Nachmittag niemand auf. Zwei ergraute Herren sitzen in Nischen mit knallroten Ledersofas. Um die Lenden haben sie Handtücher gewickelt. Der eine schlürft noch an seinem Mineralwasser, der andere streichelt schon einer brünetten Dame über die Schenkel. Dann verziehen sich die beiden in eines der sieben Zimmer. „Die Frauen bezahlen 100 Euro Eintritt. Mit den männlichen Gästen verhandeln sie die Preise für Sex selbst“, sagt Vlachos.

Meistens sind sechs bis acht Prostituierte gleichzeitig im Sudfass. Crystal, blonde Haare, hohe Schuhe und Riesenoberweite, kommt pro Tag mit drei oder vier Männern ins Geschäft. „Eine halbe Stunde kostet 60 Euro. Wir verlangen alle das Gleiche“, erklärt sie und schwingt ihren Körper anschließend um die Gogo-Stange. Ein Kunde ist gerade nicht in Sicht.

Im

Dieser Raum hat einen Whirlpool.

Schnitt vergnügen sich täglich 20 bis 25 Männer im Sauna-Club. „Verglichen mit der Einwohnerzahl von München ist das wenig“, findet Vlachos. Abends ist am meisten los. „Dann wird hier getanzt und getrunken“, erzählt der Betreiber. Drei leere Magnumflaschen Champagner, sauber aufgereiht am Fuße des Whirlpools, zeugen noch von der letzten Party-Nacht. Sollte einem der Gäste das Geld ausgehen, ist für ihn die Feier nicht automatisch beendet: Der nächste Geldautomat steht praktischerweise gleich im Vorraum.

Vom Boxer zum Bordell-Betreiber

Wie wird man eigentlich Bordell-Chef?

Georg Vlachos (54): Ich bin da reingerutscht. Ich war schon immer ein Nachtmensch und könnte mir nie vorstellen, im Büro zu arbeiten.

Was haben Sie denn gemacht, bevor Sie das Sudfass übernommen haben?

Vlachos: Bis

Georg Vlachos ist seit 2009 Chef in der Sudfass-Oase

Ende der 80-er Jahre war ich Profi-Boxer im Leichtgewicht und holte Medaillen bei Deutschen Meisterschaften und Europameisterschaften. Danach hab ich als Türsteher in einem Frankfurter Laufhaus gearbeitet, bis ich 2009 das Sudfass übernehmen konnte.

Hier sehen wir keine Türsteher!

Vlachos: Die brauchen wir auch nicht. In München ist es ruhig. Ab und zu müssen wir einen Gast wegschicken, weil er schon betrunken ankommt. Aber das verläuft meistens friedlich. Mit Frankfurt kann man das Milieu hier nicht vergleichen. Dort gab es ständig Schlägereien mit besoffenen Freiern.

Weiß Ihre Familie von Ihrem Beruf?

Vlachos: Meine Geschwister haben in Deutschland studiert und wissen, womit ich mein Geld verdiene. Die anderen Verwandten in meiner Heimat Griechenland denken, dass ich Geschäftsführer eines Lokals bin. Das ist ja auch nicht falsch.

Haben Sie selbst Frau und Kinder?

Vlachos: Nein, leider nicht. Es ist schwer, eine Frau zu finden, die akzeptiert, dass ich ein Bordell besitze. Meine letzte Freundin dachte, ich würde hier die ganze Nacht Party machen. Das hat sie nicht verkraftet. Wir leben im 21. Jahrhundert, aber das Rotlicht-Gewerbe ist immer noch ein Tabuthema.

Beate Winterer

Lesen Sie auch:

Freier: Ich zahle im Bordell 1000 € im Monat

Hinter den Kulissen in einem Münchner Laufhaus

Prostituierte im Interview: "Mein Job? Aufregend"

Sitten-Chef: Haben das Milieu im Griff

Erotische Massage in München: Drei Frauen erzählen

Ricos geheimes Leben als Escort-Mann

Dieser Escort-Chef vermittelt 100 Männer

Was Kundinnen wollen: Münchner Callboy packt aus

Mehr zum Thema

Auch interessant

Kommentare